Politischer Stammtisch der Senioren Union

Referenten Wilhelm Teklote, Josef Tekotte, Bert Wülfing, Wilhelm Garbert

06.03.2020 | Christel Wegmann

Politischer Stammtisch der Seniorenunion Rhede am 03.03.2020, 19 Uhr im Hotel-Restaurant Deitmer 



Zum Thema „Landwirtschaft“ konnte die Seniorenunionsvorsitzende Christel Wegmann neben den vier Referenten über 20 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer beim politischen Stammtisch im Hotel-Restaurant Deitmer begrüßen. Neben Wilhelm Teklote als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Altrhede, Büngern, Krechting und Krommert, in dessen Gefolge auch Bert Wülfing von der Bewegung „Land schafft Verbindung“ mitgekommen war, waren Josef Tekotte als Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Vardingholt und Wilhelm Garbert als CDU- Ratsmitglied eingeladen. Ohne Umschweife kam Wilhelm Teklote, der aus Zeitgründen als erster referierte, auf die Bauerndemos der letzten Wochen zu sprechen. Diese seien nicht vom Deutschen Bauernverband organisiert worden, sondern aus einer Bewegung von aktiven und betroffenen Junglandwirten hervorgegangen, die sich im Netz zu einer lockeren Organisation „Land schafft Verbindung“ zusammengeschlossen hätten.
Als aktiven Vertreter dieser Bewegung stellte er Bert Wülfing vor, der in Münster, Bonn und Hamburg mit dem Traktor demonstriert hatte, nach Berlin war er mit der Eisenbahn gefahren. Die Demos hätten viel bewirkt: Alle haben mitbekommen, dass sowohl die Biobauern als auch die konventionellen Landwirte sich beteiligt haben. Sie haben nicht gegen etwas demonstriert, sondern für etwas. Es seien keine Gesetze übertreten worden, keine Kreuzungen blockiert, in den Städten seien sie mit „Daumen- hoch“- Zeichen begrüßt worden, im Gegenzug hätten sie sich bedankt mit kleinen Geschenken, Möhren, Tütchen mit Blumensamen... Zwei Beispiele wurden diskutiert, einmal die Nitratbelastung des Grundwassers: Auch die Bauern hätten ein Interesse daran, dass das Grundwasser sauber bleibt. Jahrelang aber seien immer die Brunnen mit den schlechtesten Ergebnissen nach Brüssel gemeldet und als Grund für die hohe Nitratbelastung die Gülleausbringung der Landwirtschaft angeführt worden.
Wilhelm Garbert führte ein Beispiel aus unserer Region an: Ein Brunnen in Burlo sei in seinem Beisein gemessen worden mit viel zu hohen Nitratwerten. In der Nähe habe es aber gar keine landwirtschaftlich genutzten Flächen gegeben, wohl aber eine Außensiedlung mit eigenen Sickergruben!

Die Landwirte wehren sich dagegen, für etwas verantwortlich gemacht zu werden, wofür aber ganz andere Umstände verantwortlich sind. Als weiteres Beispiel wurde die landläufige Überzeugung genannt, die Bauern würden mit ihren schweren Fahrzeugen die Wirtschaftswege ruinieren, von den Gemeinden aber die Behebung der tatsächlich vorhandenen Schäden einfordern. Hier wurde darauf hingewiesen, dass seit Jahrzehnten die Idee der „Renaturierung“ in den Ämtern grassiere, d.h. von Amts wegen werde dafür gesorgt, dass Wasserwege, die für den Abtransport des Wassers sorgen sollten, nicht mehr ordentlich geräumt werden. In der Folge entstehen „stehende Gewässer“, so dass ein kleiner Baumtrieb im Laufe der Jahre sich zu einem ordentlichen Baum entwickeln kann, der dann bei der Räumung zu einem Hindernis wird. Die Folge ist, dass das Wasser nicht mehr abtransportiert wird und die (nicht sichtbare) tragende Decke der Wege und Straßen zu lange im Wasser steht und dadurch morsch und mürbe wird. Sie kann dann leicht weggespült werden, und dadurch entstehen unter der sichtbaren Oberfläche der Wege Hohlräume, so dass der Straßenbelag einbricht. Die Schlaglöcher entstehen also durch eine falsche bzw. nicht konsequente Räumung der Wasserwege und Entwässerungsgräben. Die Wege selbst sind für schwere Fahrzeuge ausgelegt! Viel Beachtung wurde dem Redebeitrag von Bert Wülfing zuteil. Er wies darauf hin, dass bei der Entwicklung der Landwirtschaft von überschaubaren Familienbetrieben hin zu professionell betriebenen industrieähnlichen Großbetrieben die Verbraucher nicht mitgenommen worden seien. Die Verteilung der von der EU bereitgestellten Gelder sei ein bürokratisches Monster. 75 % der Gelder von der EU gingen an 15 % der Landwirte und zwar an die mit den größten Flächen. Ganz vorne mit dabei seien Vereine wie der NABU! CDU- Ratsmitglied Wilhelm Garbert berichtete dann noch von dem Bemühen, in Rhede einen sogenannten „Wirtschaftswegverband“ zu installieren. Ein großer Vorteil bestände dann darin, dass dieser Verband hohe Kredite aufnehmen könne, um die Wirtschaftswege zu sanieren. Die Kommune müsste dafür die Bürgschaft übernehmen. In Rhede sei man schon ein gutes Stück vorangekommen. Man könne dann mit den ausführenden Firmen auch ganz anders verhandeln, ob 10 km oder 300 m zur Disposition stünden.